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Fotos lügen nicht

Immer wenn ich vorm Spiegel stehe, ist das, was ich sehe, gar nicht so schlimm. Und mal ganz ehrlich, ich seh‘ doch dass das alles ganz normal ausschaut, mein Spiegel zeigt mich doch so, wie ich bin.

Dachte ich immer

Zugegeben, es gibt durchaus auch Phasen, in denen sich ein dicker Mensch schön findet, aber immer nur dann, wenn man sich vorm Spiegel zu Hause sieht. Und dann fängt es an, dass man ein komplett falsches Bild seiner eigenen Person bekommt.

Falten und Speckröllchen sieht man schon lange nicht mehr im Spiegelbild. Man sieht doch ganz normal aus-denkt man sich, bis zu dem Punkt, an dem man z.B. einkaufen/shoppen ist und auch mal an andere Spiegel dran vorbei läuft. Dann erkennt man plötzlich auch mal hier und da ein paar Röllchen-ja. Aber das Bild hat man, wenn man später vorm eigenen Spiegel steht, natürlich wieder vergessen.

Wir waren vor 2 Wochen im Urlaub, klar-auch da waren im Fahrstuhl Spiegel, und die bestärkten mein Denken, dass ich doch gar nicht so dick sei. Denn auch dort sah ich wie zu Hause, schön „schlank“ aus.

Mein Freund machte Bilder von mir-unbemerkt. Bis zum dem Tag, als ich die Bilder gesehen habe, ich dachte ich falle um. Wie kann man bitte so viel Fett übersehen, wie kann man nur mit so viel Gewicht denken, man sei normal gebaut. Ich versteh es nicht.

Eigentlich sollte einem, auch wenn der Spiegel zu lügen scheint, wissen und vorallem merken, dass man dick ist. Ich denke dabei nicht  nur an die täglichen Probleme die man so als adipöser Mensch hat, sondern mit merken meinte ich gerade auch, die Blicke der Anderen. Sie ziehen einen schon förmlich aus, so als wollten die Leute einen sagen, „guck dich an“ !

Aber aus mir erklärlichen Gründen vergisst man sowas schnell zu Hause, scheinbar weil man sich dort wohl fühlt und nicht verstecken muss, weil man da leben darf, so wie die normal gebauten Menschen auch.

Ich wünschte mir, ich könnte mal einen Tag als dünner Mensch durch die Welt spazieren, nur um zu fühlen und zu wissen, wie das so ist, unbefangen leben zu dürfen.

Aber wer weiß, eines Tages werde ich diese Erfahrung auch machen und das Leben ohne die Blicke der Anderen genießen.
In diesem Sinne 🙋🏼

(Foto von car eone.de)

Alles auf Anfang

Wahrscheinlich ist die meistgestellte Frage, die ein Mensch bekommt, der eine Abnahme hinter sich hat:

Gab es bei dir diesen Klick – Moment?

Und dann kann ich selbst für mich nur sagen, nein – den gab es in diesem Sinne nicht. Was es aber gab, sind erhebliche Einschränkungen im Leben, die einen dann teilweise auch psychisch belasten.

Ich war noch nie dünn, und das machte mir bis zur Grundschule auch nie etwas aus, denn ich hatte eine Familie die mich liebte und eine Mutter, die mir nie das Gefühl gab, schlechter zu sein als die anderen, nur weil ich dick bin. Ich glaube der erste Punkt, an dem es mit dem unkontrollierten essen begann, war, als mein Vater uns verließ, ich möchte das nicht als Anhaltspunkt oder Entschuldigung nehmen, aber ich kann mir doch sehr gut vorstellen, dass auch das ein Faktor war, der mich dazu trieb, aus Frust zu essen, um nicht fressen zu sagen.

 

Das unbeschwerte Leben endete zu Beginn der Schulzeit, als man indirekt merkte, dass man eben nicht beim Sport in ein Team gewählt wurde, weil man dick ist, oder dass man auf dem Pausenhof abseits von allen anderen steht aber man deren Blicke sieht. Ich war froh wenn die Schule aus war, denn dann konnte ich wieder Ich selbst sein  und so zog es sich all die Jahre durch die Schulzeit, man wurde „gemobbt“ und nicht akzeptiert.  Aber irgendwie habe ich es doch geschafft und  die Schulzeit mit Ach und Krach  hinter mich gebracht. 😉

Wir zogen dann von Magdeburg nach Berlin und hier begann ich eine Ausbildung zur Sozialassistentin. Ich lernte Freunde kennen und somit wuchs auch das Interesse an Unternehmungen, aber wie das nunmal so ist, kommt ein Punkt, an dem man sich für sich selbst schämt, für sein Aussehen und für sein Gewicht. Ich habe strategisch allen Einladungen  zu Feiern oder ähnlichem  abgesagt, denn ich hatte Angst von anderen begutachtet zu werden, und wenn das nicht war, dann die Angst davor, nichts schönes zum anziehen zu finden. Kleider habe ich nie getragen, denn mit meinem Gewicht sah das einfach unmöglich aus. Hohe Schuhe konnte ich nicht anziehen,  denn dort konnte ich die Balance Aufgrund meines Übergewichts nicht halten, zudem schmerzten dann auch, wenn ich es mal versuchte, meine Füße.

Und so merkte ich nach und nach dass das doch kein Leben sein kann, ein Leben in dem man sich vor der Gesellschaft versteckt nur um nicht ausgelacht zu werden. Neben den psychischen „Problemen“ gab es durchaus auch körperliche Einschränkungen, angefangen beim Schuhe anziehen im sitzen oder beim binden der Schuhe im stehen, der enorm große Bauch war immer im Weg. Auf Leitern traute ich mich nicht, aus Angst, dass diese mein Gewicht nicht halten könnten, Plastikstühle versuchte ich  aus selbigem Grund zu meiden. Essen in der Öffentlichkeit war für mich nicht drin, denn die Gesellschaft vermittelte einem durch Blicke immer wieder „warum frisst die Fette da ? Ein Apfel wäre doch viel gesünder“ da kann man auch den ganzen Tag noch nichts gegessen haben, die Ansichten würden sich trotzdem nicht ändern. Und wegen all dem  Frust und der Tatsache, dass ich mich nicht mit Freunden getroffen hab, wuchs auch die Langweile und somit der Drang nach essen.

 

Das Gewicht stieg in all den Jahren ins Unermessliche, gemeinsam mit meinem Frust, den ich auch 2014 in meinem Nachtdienst mitnahm. Ich weiß noch, dass wir nach getaner Arbeit uns hinsetzten und gemeinsam aßen, meine Kollegen und ich. Meinen ungesunden Kram verschlang ich in Rekordzeit währenddessen eine Kollegin kohlenhydratarme Lebensmittel zu sich nahm. Ich fragte sie natürlich aus und  wurde somit aufs Programm, von Detlef D! Sonst aufmerksam gemacht. Zugegeben, ich habe mich davor nie mit Kohlenhydrate oder ähnlichem auseinandergesetzt, für mich zählte der Geschmack, wie der zustande kam, war mir egal. Meine Kollegin erklärte mir die Vorgehensweise vom Programm und ich meldete mich an. 2014 habe ich dann 80 Euro, 10 Kilogramm und 10 Wochen Zeit verloren. Die 10 Kilogramm, hatte ich allerdings 1 Jahr später (2015) wieder drauf nur mein Geld  nicht 😅. Denn nach Programmende fiel ich in alte Muster zurück. Der Verzicht auf Kohlehydrate war für mich hart und somit landeten wieder regelmäßig um nicht zu sagen überwiegend Zucker, Kartoffeln und Co. auf meinem Teller.

Warum konnte ich den Anfang nicht als Neustart nehmen?

So stand ich also im Sommer 2015 mit meinem Anfangsgewicht wieder auf der Waage und ärgerte mich über meine eigene Dummheit so sehr, wie konnte ich es wieder so weit kommen lassen und warum habe ich die 10 Kilogramm nicht gleich als Start in ein neues Leben  genommen? Ich weiß es nicht..

Seit dem Tag, als die Waage mein altes Gewicht von 2014 anzeigte, habe ich mich dazu entschlossen, meine Abnehmreise erneut zu beginnen. Positiv beeinflusst wurde ich ab da an durch meinen Freund, der leidenschaftlich gerne Läufer war und ist, denn für mich gab’s nichts schlimmeres als einen sportlichen Freund zu haben und selbst dabei faul auf der Couch zu sitzen. So kauften wir mir Laufschuhe und Klamotten und ich versuchte mein Glück – zugegeben, um es kurz auf den Punkt zu bringen, es war nicht mein Sport, dadurch dass ich das fast 2 1/2 eines normalgewichtigen Menschen mit mir rumschleppen musste, war meine verfügbare Luft zum atmen nur begrenzt, aber ich wollte es meinem Freund beweisen, ich wollte den Avon Frauenlauf in Berlin laufen. Was ich dann im Mai 2016 auch tat und schaffte. 💪

 

Dem Laufsport bin ich seit diesem Lauf nicht mehr nachgegangen, dafür gehe ich seit Juni 2016 alle 2 Tage ins Sportstudio und fokussiere mich auf den Kraft und -Ausdauersport. Bis jetzt habe ich in einem Jahr 40 Kilogramm    verloren und bin noch lange nicht am Ende.

 

Kathleen ♡